Gespräche mit echten Experten:

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Der Stylist und Colorist Jean-Philippe Beaupied zur Kunst des Minimalismus

Menschen

Die Styling-Philosophie von Jean-Philippe Beaupied lässt sich ganz einfach zusammenfassen: Reduzierung auf das Maximum! Minimalismus ist die Grundlage, auf der die gesamte Arbeit des Stylisten und Coloristen aufbaut. Ob beim Beraten von Kunden, beim Schneiden und Färben ihrer Haare in seinem Salon in Brüssel oder beim Styling von Models für Modenschauen und Editorial-Shootings – das Endergebnis ist geprägt von Jean-Philippes Back-to-Basics-Ansatz. In seinem Salon Premier Studio Artisan Coiffeur stehen die handwerklichen Fertigkeiten, die professionelle Ausbildung und der Kennerblick im Vordergrund, die erforderlich sind, um scheinbar mühelose Frisuren zu kreieren, die zu Hause nachgestylt werden können. Die Bezeichnung „Artisan“ im Namen des Salons bedeutet „Künstler“, und genau diesen Aspekt schätzt Jean-Philippe am Frisieren am meisten. Dieser Anspruch erstreckt sich auch auf seine Arbeit als professioneller Colorist, der sich auf die Balayage-Technik spezialisiert hat. Das natürliche Farbergebnis, das er damit erzielt, erscheint mühelos, erfordert aber komplexe Fähigkeiten. Der Name der französischen Technik leitet sich von den schwungvollen, frei Hand ausgeführten Bewegungen beim Bemalen des Haars ab, die denen eines echten Künstlers ähneln. Wir haben mit Jean-Philippe gesprochen und wollten mehr über sein Handwerk, seine Inspirationsquelle, seine Prêt-à-porter-Kreationen im Salon und seine Modekreationen in der Haute Couture erfahren.

Jean-Philippe Beaupied

Authentic Beauty Concept: Was bedeutet Authentizität für dich?

Jean-Philippe Beaupied: Bei Authentizität geht es für mich vor allem um echte Menschen, Menschen, die Werte haben. Als Stylist möchte ich zu ursprünglicheren Dingen zurückkehren, und zwar mit Produkten, die perfekt auf jede einzelne Kundin zugeschnitten sind.

Genauer gefragt: Was ist authentische Schönheit? 

Authentische Schönheit ist zeitlos, dauerhaft und steht vollständig im Einklang mit der Persönlichkeit einer Frau. Die Bewegung für authentische Schönheit (Authentic Beauty Movement) entspricht genau der Philosophie, die ich in meinem Friseursalon bereits umsetze. Für die Raumgestaltung haben wir authentische Materialien verwendet und haben mit Handwerkern wie Tischlern und Schmieden zusammengearbeitet. Dieser handwerkliche Aspekt ist bei authentischer Schönheit ebenfalls sehr wichtig.

Ist Frisieren eine Kunst oder ein Handwerk?

Die beiden sind zwangsläufig miteinander verknüpft. Einfach ausgedrückt: Kunst muss von einem Handwerker erschaffen werden, wie ein Bild von einem Maler oder ein Brot von einem Bäcker. Wir arbeiten in einem Beruf, in dem wir etwas Künstlerisches schaffen, sobald wir wissen, wie wir unsere Hände verwenden. 

Jean-Philippe Beaupied styling

Wie arbeitest du mit der Haarstruktur einer Kundin, um einen individuellen Look zu erzeugen?

Sobald eine Kundin den Salon betritt, schauen wir sie uns an.  Dieser erste Kontakt und der erste Austausch mit ihr sagen uns gleich, in welche Richtung sie tendiert. Wir erkennen eine eher natürliche oder anspruchsvollere Ausstrahlung, also passen wir unsere Arbeit und die Verwendung jedes Produkts an das an, was die Kundin darstellt. Daraus ergibt sich, ob das Ergebnis natürlicher oder vielleicht etwas gehobener ausfallen darf.

Was inspiriert dich an Ixelles, dem Brüsseler Stadtteil, in dem sich dein Salon befindet?

Mich inspirieren die öffentlichen Räume, sie sind größer und luftiger, und es gibt viele Kunstgalerien. Wir gehen zu den Vernissagen, schauen uns ein bisschen an, was um uns passiert, und erhalten so eine zusätzliche Inspirationsquelle, die es uns ermöglicht, unsere Arbeit moderner zu machen.

Dein Salon ist sehr minimalistisch und puristisch. Wie beeinflusst das deine Arbeit?

Wenn die Kundin den Salon betritt, tritt sie in ein Bild ein. Ich war schon immer für ein natürliches Ergebnis, das einfach aufrechtzuerhalten ist. Persönlich habe ich schon immer gerne in sehr einfachen Räumen gearbeitet und wollte diese Atmosphäre gerne auch in meinem Friseursalon schaffen. Ich wollte alle Kundenkategorien erreichen. Bei der Arbeit mag ich die Schlichtheit der Dinge, ich mag es, wenn das Haar natürlich fällt. Selbst wenn wir mit etwas mehr Farbe arbeiten, bleiben wir bei Nuancen, die im Alltag gut tragbar sind. Ich denke, das ist wirklich entscheidend und es ist das Bild, für das wir in unseren Fotos und unseren Kollektionen arbeiten. Genau das zieht die Kundschaft an, die dieser Stil auch anspricht.

Was bedeutet reduzierter Luxus für dich?

Das ist ein einfacher Luxus ohne Schnörkel, Glitzer und Glamour. Für mich ist es auch ein tragbarer Luxus.

Heutzutage ist das sehr wichtig und alle Kunden wollen das. Sie wollen zum Friseur gehen und mit einem Haarschnitt auf die Straße zurückkehren, mit dem sie sich wohlfühlen. Sie wollen nicht mehr transformiert werden. Sie müssen es zu Hause selbst nachstylen können. Ich hatte Kundinnen, die mir erzählt haben: „Ich habe enttäuschende Erfahrungen gemacht, Friseure haben mein Haar so gestylt, dass ich mich damit nicht wohlgefühlt habe, also habe ich zu Hause geduscht und meine Haare selbst neu frisiert.“ Das ist genau das Gegenteil von dem, was ich mit meiner Arbeit erreichen will.

Jean-Philippe Beaupied’s fashion work

Wie unterscheidet sich deine Modearbeit von deiner Arbeit im Salon?

Die Arbeit, die ich bei einem Fotoshooting oder für eine Fashion Show mache, und die Arbeit, die ich im Salon mache, gehören zu zwei komplett verschiedenen Welten. Im Salon kann man viel stärker ausdrücken, was eine Frau fühlt und was sie schlussendlich hervorrufen will. Für ein Shooting arbeiten wir eher an einem Bild, das einem Kleidungsstück oder einer Marke entspricht. Wir haben striktere Anweisungen und die Entscheidungen fallen nicht so leicht, aber es ist wirklich inspirierend.

Die Arbeit bei Fashion Shows inspiriert mich mehr als die Arbeit im Salon, aber das eine ergänzt das andere. Es ist tatsächlich so, dass das, was ich im Salon mit meinen Teams vermittle, das Ergebnis all der Arbeit ist, die wir bei den Shootings und Fashion Shows machen. Es ergänzt sich gegenseitig, und ich persönlich habe das immer gebraucht. Für meine Kollektionen und für die Schulung meiner Teams erhalte ich bei Fashion Shows oder Ähnlichem viel mehr Inspirationen als durch das Ansehen von Frisurenbüchern.

Das heißt, ein Aspekt deiner Arbeit inspiriert den anderen?

In der Modebranche gibt es Konfektionsware und Haute Couture. In der Friseurbranche ist es dasselbe: Es gibt die Haute Couture, die nicht immer tragbar ist, aber ästhetisch gesehen wunderschön ist und ein Bild vermittelt. Und es gibt Prêt-à-porter, das sich viel einfacher auf eine Kundin übertragen lässt und im Alltag viel tragbarer ist.

Die Expertentipps und Empfehlungen von Jean-Philippe Beaupied:

Was wir weglassen ist genauso wichtig wie das, was enthalten ist.
Vegane Produkte werden in den Friseursalons immer mehr nachgefragt. Das ist eine Tatsache. Aber die Kunden wollen etwas, das funktioniert. Sie wollen gute, funktionale, vegane Produkte, die gut riechen, die sich gut anfühlen und die sie gerne benutzen.

Sei sanft zu deinem Haar.

Wenn wir im Salon mit Farbe arbeiten, nehmen wir nie eine komplette Transformation vor, um zu vermeiden, dass die Natur des Haars vollständig verändert wird. Wenn eine Kundin eine deutlich hellere Nuance will, greifen wir immer auf sehr sanfte Produkte zurück, die das Haar unversehrt lassen.

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