Bewegungen im Haar

Bewegungen im Haar

Haarstyles, Schönheitsideale und die Stärkung der Frauenrolle im Laufe der Jahrzehnte.

Geschichten

Eine (neue) Frisur kann ein klares Statement sein. Sie kann einiges über die Person aussagen: Sie markiert zum Beispiel das Ende einer Beziehung, die Aufnahme eines neuen Jobs oder den Beginn einer neuen Lebensphase. Eine Frau, die bewusst eine neue Frisur trägt, legt damit fest, wie sie sich der Welt präsentieren möchte. Insbesondere Kurzhaarfrisuren bringen klar die Haltung der jeweiligen Frauen zu weiblichem Empowerment, Selbstbewusstsein und der Bereitschaft, strikte Schönheitsnormen abzulehnen, zum Ausdruck. Andererseits kann das Festhalten an der einmal gewählten Frisur als markantes Erkennungszeichen einen starken Charakter und eine klare Haltung vermitteln. So hat Victoria Beckham ihren Ruf als stilvolle Mode-Ikone erst dauerhaft gefestigt, als ihr eleganter Bob ihr den Spitznamen Posh Spice einbrachte. Im Laufe der Jahre ist sie zwar gelegentlich zum klassischen Look zurückgekehrt, ihre Frisuren wurden bei ihrem Wandel von der Sängerin zur Modedesignerin aber immer eleganter. Die britische Journalistin Anna Wintour ist ihrem markanten Bob sogar absolut treu geblieben ist, denn sie trägt bereits ihr ganzes Erwachsenenleben hindurch die gleiche Frisur. Die einflussreiche Chefredakteurin der US-amerikanischen Ausgabe der Vogue trägt ihre Frisur mit dem akkuraten Pony angeblich schon, seit sie 14 war, was ihr als Chefin der bekanntesten Zeitschrift der wechselhaften Modebranche einen Hauch von Zuverlässigkeit verleiht. Eine weitere Stil-Ikone ist die bekannte Schauspielerin Jamie Lee Curtis, die bereits so lange eine freche Kurzhaarfrisur trägt, dass sie mit langem Haar praktisch nicht zu erkennen ist. In den 1980er Jahren war ihr Kurzhaarschnitt eine Möglichkeit, sich von der Masse der Hollywood-Schauspielerinnen abzusetzen. Heute unterstreicht die Frisur ihren Status als starke und selbstbewusste Stil-Ikone.

In den unterschiedlichen Kulturen unserer Erde wird der Frisur oft eine bestimmte Bedeutung zugewiesen. Häufig wird das Haar als ein Symbol der Macht betrachtet, meist im Zusammenhang mit Geschlecht und Sexualität. In manchen Kulturen lässt sich an der Frisur einer Frau ihr Familienstand erkennen und langes Haar wird meistens mit Weiblichkeit assoziiert. In unserer westlichen Kultur sind die Frisuren von Frauen traditionell länger als die der Männer. Auch wenn diese Schönheitsnormen im Verlauf des 20. Jahrhunderts allmählich gelockert wurden, gilt kurzes Haar bei Frauen immer noch als gewagt. 

Chloe Nguyen with a Bob hairstyle

Wie bei vielen anderen Mode- und Schönheitsmerkmalen der Emanzipation hat auch die Tatsache, dass Frauen zunehmend Kurzhaarfrisuren wählten, praktische Beweggründe. Obwohl große Vorbilder wie Kleopatra und Jeanne d‘Arc ihn bereits vor Jahrhunderten trugen, hat der Bob seine verbreitete Popularität erst in den 1920er Jahren erlangt, einem Jahrzehnt, das in verschiedenen Ländern als die Roaring, Golden oder Crazy Twenties bezeichnet wird. Die Frauen waren während des Ersten Weltkriegs in die Männerwelt vorgedrungen, indem sie Aufgaben übernahmen, die bis dahin den Männern vorbehalten waren – und die Frauen erledigten ihre Arbeit gut. Nun traten sie in die Fußstapfen der Frauen, die in früheren Zeiten vorgegeben hatten, Männer zu sein, um bestimmte Berufe ausüben zu können: Sie trugen ihr Haar kurzgeschnitten und kleideten sich wie die Männer, teilweise aus praktischen Gründen, aber auch als Ausdruck ihrer neugewonnenen Unabhängigkeit und ihres neuen Selbstbewusstseins. 

Stummfilmstars trugen dazu bei, den Look populär zu machen. Das erste „It-Girl“ Hollywoods, Clara Bow, bevorzugte einen lockeren und legeren Look, was zu ihrem Image als attraktives Party Girl und rundum moderne Frau beitrug. Ihre Zeitgenossin Louise Brooks hingegen trug lieber einen klar konturierten, mondänen Bubikopf, der ihren eleganten Kleidungsstil unterstrich und zu den von ihr gespielten Rollen passte, nämlich unabhängige, verlockende Frauen, die sich nicht in traditionelle Geschlechterrollen pressen ließen.

Nach dem Krieg feierten Frauen die ersten Erfolge der Frauenwahlrechtsbewegung und beanspruchten ihren Platz in der Öffentlichkeit, indem sie die bequeme Mode und die Kurzhaarfrisuren trugen, an die sich inzwischen gewöhnt hatten. Die als Flapper oder Garçonnes bezeichneten selbstbewussten Frauen wurden oft als „Männerimitatorinnen“ diffamiert und verspottet, bloß weil sie in einem Beruf arbeiteten, Auto fuhren, Hosen trugen und sich Kurzhaarfrisuren schneiden ließen. Frauen mussten sich häufig sogar bei einem Herrenfriseur ihren Bubikopf schneiden lassen, weil angesehene Damenfriseure nicht bereit waren, eine so skandalöse Frisur zu kreieren.

Der Bob heute: eine schmeichelnde klassische Frisur

Heute ist es glücklicherweise nicht mehr problematisch, einen Friseur zu finden, der Damen gerne eine Kurzhaarfrisur schneidet. Der beliebte klassische Bob ist der leichteste und besonders vielseitige Haarschnitt für jede Frau, die zunächst eine Kurzhaarfrisur ausprobieren möchte, bevor sie sich vielleicht für einen Chop, den radikalen Kurzhaarschnitt, entscheidet. Besser noch: Es gibt ihn in so vielen Längen und Variationen, dass jede Frau garantiert den Bob findet, der zu ihrem persönlichen Stil und ihrer Gesichtsform passt.

The Pixie is a short hairstyle for confident women

Der Pixie ist eine Kurzhaarfrisur für selbstbewusste Frauen 

Der Pixie Cut ist der Nachfolger des Bobs. Nachdem Kurzhaarfrisuren erst einmal gesellschaftlich anerkannt waren, haben clevere Stil-Ikonen die Grenzen dessen, wie kurz eine Frau ihr Haar tragen kann, immer weiter ausgelotet. In den 1950er und 1960er Jahren symbolisierte der Kurzhaarschnitt jugendliche Unschuld. 

In der Filmromanze Ein Herz und eine Krone wickelte Audrey Hepburn als moderne Prinzessin Gregory Peck – und das internationale Publikum – gekonnt um den kleinen Finger und trug dabei einen knabenhaften Kurzhaarschnitt, der perfekt zu ihrer rehäugigen Begeisterung passte. In Bonjour Tristesse betont Jean Sebergs extrem kurz geschnittenes blondes Haar die Naivität ihrer Rolle als junges Mädchen an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Der als Werbegag von Vidal Sassoon geschnittene Pixie von Mia Farrow in Rosemary’s Baby betonte ihre zarte Zerbrechlichkeit, so dass das Publikum die Furcht der Hauptdarstellerin besonders gut nachfühlen konnte. Aber der berühmteste Pixie aller Zeiten war wohl der von Lesley Lawson (geborene Hornby). Das britische Fotomodell wurde allerdings erst dann zu einer Ikone, als sie sich den Künstlernamen Twiggy zulegte und ihr Haar abschneiden ließ; so wurde sie zum Gesicht der Swinging Sixties in London.

Im Laufe der Jahrzehnte ist der Pixie auch zu einem Symbol für Willensstärke, Unabhängigkeit und die Bereitschaft, von allgemein gültigen Vorstellungen über weibliche Schönheit abzuweichen, geworden. Über die Jahre und wechselnden Schönheitsnormen hinweg hat diese Kurzhaarfrisur für Frauen immer wieder den Rahmen geschaffen, ihre schönen Gesichter besonders zur Geltung zu bringen.

Der Pixie heute: eine praktische Frisur für selbstbewusste Frauen

Als ultimative Variante tragbarer Frisuren erfordert der Pixie Cut ein gesundes Selbstvertrauen, besonders, wenn das Haar bis dahin lang getragen wurde. Er passt nicht unbedingt zu jeder Gesichtsform und sollte möglichst durch etwas Make-up und eine gekonnte Wahl des passenden Mode-Stylings unterstrichen werden. Dafür bringt aber ein gut geschnittener Pixie die Gesichtszüge wunderschön zur Geltung und verleiht eine stil- und selbstbewusste Ausstrahlung. Mit dieser Kurzhaarfrisur wird die morgendliche Beauty-Routine ein Kinderspiel. Einfach waschen, ein wenig Styling-Produkt auftragen und los geht‘s.

The Afro is a cool hairstyle for kinky hair

Der Afro im 20. Jahrhundert: natürlich ist schön

Nach jahrzehntelanger Sehnsucht, dem „weißen“ Schönheitsideal zu entsprechen, wurden die Afroamerikaner durch die Bürgerrechtsbewegung darin bestärkt, die einzigartige Schönheit ihres natürlichen afroamerikanischen Haars anzuerkennen. Sie erhoben ihre Stimme für die Unverfälschtheit natürlichen Aussehens und leiteten das goldene Zeitalter des Afro-Looks ein. Stilbewusste und sozial orientierte Männer und Frauen wie Jimi Hendrix, Angela Davis und Nina Simone gehörten zu den ersten, die in den 1960er Jahren ihr natürliches krauses Haar mit Stolz trugen. Stars wie Grace Jones, Pam Grier und Gloria Gaynor brachten die Frisur – und die Betonung der einzigartigen schwarzen Schönheit – anschließend in die Disco-Ära der 1970er Jahre.

Der Afro heute: krauses Haar, mit Selbstbewusstsein getrage

Heute erinnern Prominente wie Lupita Nyong'o, Janelle Monáe und Solange Knowles nachdrücklich an die Bürgerrechtsbewegung, indem sie die Rassengleichheit propagieren und stolz ihre Afros tragen. Afros haben die verschiedensten Formen und Größen und benötigen wenig Styling, aber eine gute Portion Pflege. Da die Schönheitsnormen heute mehr Individualität und Glaubwürdigkeit zulassen als je zuvor, können Frauen und Männer unabhängig von der Beschaffenheit ihrer Haare zunehmend ihre Persönlichkeit zum Ausdruck bringen. Lang, kurz, lockig, glatt ... Frisuren waren nie zuvor so verspielt.

Hippie women loved long hairstyles for an extra-romantic free-spirited look

Lange Hippiefrisuren im 20. Jahrhundert: Liebe, Frieden und natürliche Frisuren

Der Afro war nicht die einzige Frisur, die in den 1960er und 1970er Jahren die zunehmende Popularität des natürlichen Haars förderte. Die Hippiebewegung ermutigte Männer und Frauen ihre Haare so zu tragen, wie sie von Natur aus wachsen. Zu der romantischen Strömung jener Zeit passte am besten langes, lockiges Haar, weil es optimal zu den fließenden Kleidern und lockeren Gewändern passte, die den Summer of Love verkörperten. Ähnlich wie der Bob eine Reaktion auf die jahrhundertealte Geschichte der Langhaarfrisuren für Frauen war, kann das lange, natürlich getragene Haar der Hippies als Gegenbewegung zu den über Jahrzehnte perfekt toupierten Frisuren wie dem Bouffant interpretiert werden. Feministinnen der zweiten Emanzipationswelle fühlten sich befreit, wenn sie bequeme geschlechtsneutrale Kleidung trugen und pflegeleichte Frisuren und unkomplizierte Beauty-Pflege wählten. Zu diesem Gefühl trugen auch die Fortschritte bei, die sie im gesellschaftlichen Leben erzielten.

Lange Hippiefrisuren im 20. Jahrhundert: mühelose Frisuren für alle

Viele Werte der Hippiebewegung sind inzwischen längst weithin akzeptiert. Geschlechter- und Rassengleichheit, Umweltbewusstsein und Toleranz gegenüber alternativen Lebensstilen sind heute mehr in unseren Alltag integriert als in den 1970er Jahren. Dem langen Hippiehaar entsprechen heute die mühelos kreierten Looks wie Beach Waves, Flechtfrisuren und der aktuelle Trend zu Blumenschmuck im Haar. Schließlich gibt es keine bessere Art, sich stark zu fühlen, als indem man eine Frisur trägt, die sich so gut anfühlt, wie sie aussieht.

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